Schulangst 

Sichtlich aufgeregt sitzen wir in der zweiten Reihe. In der ersten Reihe sitzen die „Mädchenmütter“ und unsere Söhne haben uns ausdrücklich untersagt uns mit diesen zu vermischen, es könnte doch Auswirkungen auf die spätere Sitzordnung in der Klasse haben. Also erleben wir die Information zum Schulbeginn eben aus Reihe zwei, wobei das unserer Aufregung keinerlei Linderung verschafft. Wir haben zwar den ganzen Zirkus mit Schule und anschließender Ausbildungen schon hinter uns, aber es ist unvergleichlich spannender, wenn es den eigenen Nachwuchs betrifft, denn hier sind ja die Erwartungen ganz andere. War es unseren Eltern noch relativ einerlei welchen Lehrern wir im Laufe unserer Schulzeit ausgeliefert waren, solange sie nicht ausdrücklich gemein oder gewalttätig schienen, hatten wir auch selbst für das Vorwärtskommen in der jeweiligen Bildungsanstalt zu sorgen, wie auch letztendlich für das Auskommen mit den Bildungsbeauftragten. Heute sieht die Sache doch ganz anders aus. Als Mütter der modernen Generation haben wir wahrscheinlich gleich viele, wenn nicht mehr, pädagogische Bücher gelesen als die Lehrkräfte und wissen unzweifelhaft haargenau was unsere Kinder an gewöhnlicher und außergewöhnlicher Behandlung brauchen um sich, gemessen unserer Erwartungen, optimal zu entwickeln und den späteren Nobelpreis am direktesten Weg anzusteuern. So ist es auch selbstverständlich, dass am allerersten Schultag die Sprösslinge bereits im Schulhof spielen und sich mit den neuen Kameraden vertraut machen, während wir Eltern und hier vorwiegend Mütter, noch in der Klasse auf viel zu kleinen Stühlen hocken und versuchen die aufkeimenden Kreuzbeschwerden mit der absoluten Notwendigkeit der genauen Prüfung der Lehrerin zu überspielen. Schließlich wollen wir im Detail wissen wie sie es sich denn vorstellt unsere Nachkommen in einfachen Fächern wie Lesen und Schreiben, aber auch in den komplexeren Aufgaben wie Sozialkompetenz und Konfliktmanagement zu unterweisen und selbstverständlich jedem Einzelnen in seiner besonderen Begabung und Eigenwilligkeit gerecht zu werden. Nun ja, nach einigen Stunden rebelliert nun mein Rücken dermaßen, dass ich bereit bin diese Lehrerin für meinen Sohn zu akzeptieren und anscheinend haben auch andere begriffen, dass es eine Zeit im Leben der Kinder gibt in der unser Einfluss merkbar verringert wird, was aber nicht heißen soll wir würden sie ihrem Schicksal überlassen wie unsere Eltern es noch konnten. Und selbst wenn unser Kreuz völlig ruiniert wird, dieser Erkenntnis des Loslassens werden wir uns nicht beugen!

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Ansichten einer Frau

 

Ich befinde mich in der Umkleidekabine eines bekannten „In“-Modegeschäftes.

Wohlgemerkt wir hier sowohl Damen- als auch Herrenmode geführt. Weshalb ich das extra erwähne? So etwas kann in einer reinen Damenboutique gar nicht passieren. Also ich bin wie jedes Jahr um diese Zeit etwas unschlüssig auf der Suche nach geeignetem Textilem um den Ball der Bälle im neuen Festsaal entsprechend optisch zu bereichern und eine reizende Verkäuferin versucht mir das eine oder andere elegante Kleidungsstück schmackhaft zu machen. Ich entschließe mich für eine elegante Abendhose, die ich dann an mir, im Spiegel kritisch von allen Seiten betrachte. Entschlusslos drehe und wende ich mich vor diesem schrecklichen Ungetüm, welches anscheinend nur erfunden wurde, mir meine Unzulänglichkeiten aufzuzeigen, und befinde, dass meine Figur mit dieser Hose rein gar nicht harmoniert. Die Beine sind zu breit und zu kurz, die Taille dafür etwas zu schmal und die ganz Optik einfach schief und unperfekt. Gerade als ich beschließe deprimiert das Weite zu suchen, tritt ein Herr aus der anderen Kabine. Muss wohl von Beruf Weihnachtsmann oder so was ähnliches sein, der Figur nach zu schließen. Nun dieser wohlbeleibte Mensch verlangt nun lautstark nach verkäuferischer Unterstützung um seinen Unmut kund zu tun. Die Hose die er probiert sei vollkommen verschnitten, denn ihm passe sonst jede Hose dieser Größe und überhaupt, die Marke brauche man ihm nicht mehr zu präsentieren, denn wer solche Schnitte fabriziere habe von seinem Handwerk keine Ahnung. Schließlich einigt er sich unwillig mit der geplagten Modeberaterin auf ein anderes Beinkleid und verlässt unter Murren den Ort des Geschehens. Ich lerne daraus eine ganze Menge! Nicht meine Beine sind zu breit oder zu kurz, auch ist meine Taille perfekt im Verhältnis zu den anderen Köperpartien, ich habe auch sicher nicht ein Gramm zuviel auf den Hüften, die können nur keine anständigen Hosen schneiden, diese komischen Hersteller. Zufrieden beschließe ich erst einmal meine neue Erkenntnis zu genießen und den Einkauf auf später zu verschieben.

 

 

  

Frühlingsgefühle

 

Das erste kleine Bier im sonnigen Gastgarten. Statt der Damen in Daunenmänteln und Stiefeln, die ersten Blicke auf Röcke, wie lang oder kurz auch immer und zwar noch winterblasse, aber immerhin, Dekolletees.

Das sind eindeutig die schönen Frühlingsgefühle der Männer.

Wo schauen denn die Frauen hin, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Nase kitzeln und die Temperaturen endlich den Gefrierpunkt überschreiten?

Männerbeine aus kurzen Hosen und Hemden bis zu Nabel aufgeknöpft reizen uns nicht wirklich.

Auch kann der Blick auf die winterblinden Fenster und den Garten, der nach Pflege dürstet kann unser Herz nicht erwärmen.

Nein, wir blicken in die Ferne!

Da liegen unsere Ziele für die warmen Jahreszeiten. Als erstes die Sonne auf der Haut, Füße in Schuhen ohne Strümpfe, die lästige Suche nach Mützen und Handschuhen hat ein Ende und wir lechzen nach der ersten Entspannung im Freien.

Spaziergänge mit Freundinnen, die auch dem Austausch über die, endlich abgeschlossenen Winterdepression dienen. Sonnenbäder am windgeschützten Plätzchen der Terrasse mit einem guten Buch. Natürlich auch ein Einkaufsbummel der neuen Frühjahrsmode und last but not least die Urlaubsplanung.

Wie wenn wir jedes Jahr eine Energiespritze bekommen würden, geht uns die Arbeit plötzlich leichter von der Hand. Im Job sieht alles wieder rosiger aus, die Hausarbeit wirkt weniger schrecklich und selbst die Kinder sind pflegeleichter und unserer Nerven um einiges stärker.

Was diese Sonnenstrahlen und ein paar Grad wärmer in unserem Herzen bewirken können, schafft oftmals nicht einmal Verliebtheit.

Es heißt doch nicht um sonst: „Hab Sonne im Herzen“.

So gesehen sollten wir es nur irgendwie schaffen diese Gefühle in uns zu konservieren, dann sieht das Leben gleich viel bunter aus und die Nebenwirkungen auf Familienmitglieder sind auch nicht schädlich.

Sollten Sie doch noch andere Nebenwirkungen spüren, so gehen sie zu ihrem Arzt oder Apotheker, vorausgesetzt er sieht gut aus und ist bereit die Frühlingsgefühle mit Ihnen zu teilen.

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